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Medien

MEDIEN

Politis - Zypern | 18.01.2016

Charlie Hebdos neue Alan-Karikatur geht zu weit

Mit einer Karikatur zu der Debatte um die Kölner Silvesternacht hat die französische Satirezeitung Charlie Hebdo heftige Diskussionen in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Sie zeigt den toten Flüchtlingsjungen Alan und dessen mögliche Entwicklung zu einem erwachsenen Grabscher, wenn er überlebt hätte. Damit hat die Zeitung eine Grenze überschritten, kritisiert die liberale Tageszeitung Politis: "Leider haben die Karikaturisten das Maß verloren. Ihr schwarzer Humor hat sich in eine Gemeinheit verwandelt, auf persönlicher Ebene. Stellt euch den Vater von Alan vor, welche Gefühle er verspüren würde, wenn er diese Karikatur sähe. Man kann doch nicht das Bild eines ertrunkenen Jungen 'ausplündern' und hoffen, dass die Leser den Sinn hinter dieser Karikatur entdecken. … Satire sollte und kann nicht zensiert werden. Nötig ist aber eine innere Balance. Man muss sich selbst Grenzen setzen, damit Satire nicht gemein wird oder sich in einen groben Scherz verwandelt." (18.01.2016)

Salzburger Nachrichten - Österreich | 14.01.2016

15 Jahre berechtigtes Vertrauen in Wikipedia

Das Onlinelexikon Wikipedia feiert am morgigen Freitag seinen 15. Geburtstag. Zu Recht verlassen sich seit seiner Entstehung vier von fünf Internetnutzern auf seine Inhalte, meint die christlich-liberale Tageszeitung Salzburger Nachrichten: "Durch die Masse von Nutzern ist Wikipedia deutlich objektiver - zumindest bei den großen Themen, die von Millionen Menschen täglich gelesen und von Tausenden Berechtigten bearbeitet werden. Dazu kommt das beeindruckende Tempo der Wikipedia-Gemeinde. Der Tod von David Bowie stand schon um 7.38 Uhr auf wikipedia.de. Die deutsche Presseagentur verschickte die Eilmeldung um 8.12 Uhr. Wikipedia darf man getrost vertrauen. Jedoch nur für die Erstrecherche. Wer nur auf ein Lexikon baut, wird ein Thema nie vollständig durchleuchten können. Und das war schon zu Brockhaus-Zeiten so." (14.01.2016)

Hürriyet - Türkei | 12.01.2016

Türkische Hexenjagd wie in den 1990er Jahren

Gegen den türkischen Fernsehsender Kanal D sind am Montag Ermittlungen wegen Terrorpropaganda eingeleitet worden. Der Grund ist, dass am Freitag eine Anruferin in der beliebten TV-Sendung Beyaz Show mehr Aufmerksamkeit für die zivilen Opfer im Kurdenkonflikt im Südosten des Landes gefordert hat. Vor einer Hexenjagd warnt die konservative Tageszeitung Hürriyet: "Den Moderator einer Unterhaltungssendung der Propaganda für eine Terrororganisation zu beschuldigen, obwohl er damit überhaupt nichts zu tun hat, ist nicht zu akzeptieren. ... Manche Kräfte innerhalb des Staats verfolgen im Kampf gegen den Terror einen Trend, der sich an die Staatslogik der 1990er Jahre anlehnt. Niemand kann behaupten, dass diese Haltung in der Vergangenheit zu einem Erfolg geführt hat. Die 1990er Jahre waren diesbezüglich eine erfolglose, schmerzhafte Periode. Erneut zu versuchen, Freiheiten zu beschränken und kritische Haltungen zum Schweigen zu bringen, wird nutzlos sein." (12.01.2016)

Charlie Hebdo - Frankreich | 06.01.2016

Charlie Hebdo gibt jetzt erst recht nicht auf

Zum ersten Jahrestag des Terroranschlags auf die satirische Wochenzeitung Charlie Hebdo erklärt Laurent "Riss" Sourisseau, Überlebender der Schießerei und neuer Chefredakteur, woher das Blatt die Kraft für sein Fortbestehen nimmt: "Alles, was wir in den letzten 23 Jahren erlebt haben, macht uns wütend. Wir hatten noch nie so große Lust wie jetzt, denjenigen eine reinzuschlagen, die von unserem Ende geträumt haben. Zwei vermummte Idioten können unser Lebenswerk und die wunderbaren Momente mit den Verstorbenen nicht zerstören. Das Ende von Charlie werden sie nicht erleben. Doch Charlie wird sie sterben sehen. Das Jahr 2015 war das schrecklichste in der ganzen Geschichte von Charlie Hebdo, da es unsere Überzeugungen auf die Probe gestellt hat - die schlimmste Qual für ein Meinungsblatt. Würden unsere Überzeugungen stark genug sein und uns die Energie geben, um uns wieder aufzurichten? Die Antwort halten Sie nun in Ihren Händen. Die Überzeugungen von Atheisten und Menschen mit säkularer Gesinnung können noch mehr Berge versetzen als der Glaube von Frommen." (06.01.2016)

Proto Thema - Griechenland | 07.01.2016

Niemand will mehr Tsipras' Lügen lesen

Eine Zeitung, die am Wochenende ein großes Interview mit Griechenlands Premier Alexis Tsipras veröffentlicht hat, ist auf wenig Interesse an den Kiosken gestoßen. Die liberale Wochenzeitung Proto Thema schreibt, dass sich die Bürger nicht mehr dafür interessieren was Tsipras sagt: "Die Zeitung, die das Interview mit Tsipras veröffentlichte, verkaufte nur eine verschwindend geringe Auflage. Etwas Ähnliches passierte auch mit der Zuschauerzahl im Staatsfernsehen ERT, das vor einem Monat ein Interview mit Tsipras gesendet hatte. … Noch vor ein paar Monaten hätte allein die Nachricht, dass ein Medium ein Interview mit dem Premier veröffentlicht, in der Journalistenwelt Alarm ausgelöst. … Es ist offensichtlich, dass die Auswirkungen der monströsen Lügen, mit denen sie das griechische Volk vollgestopft haben, anfangen, sichtbar zu werden." (07.01.2016)

Eesti Rahvusringhääling - Estland | 05.01.2016

Warum wir anonyme Kommentare abschaffen

Nutzer des Onlineportals des staatlichen estnischen Rundfunks Eesti Rahvusringhääling sollen sich künftig mit ihrer ID-Karte elektronisch identifizieren, wenn sie dort Berichte kommentieren möchten. Einen entsprechenden Test hat das Portal zum Jahresbeginn gestartet. Chefredakteur Rain Kooli hält diesen Schritt für unumgänglich: "Wir wissen aus der Geschichte, dass die Angst vor Neuem und vor einer ungewissen Zukunft in Kombination mit wirkungsvoller Propaganda äußerst tragisch enden kann, wenn die imaginären Gegner plötzlich mit echten Menschen ersetzt werden. Deshalb ist Verantwortungsbewusstsein - heute mehr denn je - ein wichtiger Bestandteil der Rede- und Meinungsfreiheit. Rede- und Meinungsfreiheit heißt nicht, dass alles erlaubt ist. Diese Freiheit im Rahmen von Gesetzlichkeit, Wahrhaftigkeit, Sachlichkeit und elementarer Höflichkeit zu halten ist das Recht jedes Journalisten. Nein, nicht das Recht. Die Pflicht." (05.01.2016)

Göteborgs-Posten - Schweden | 04.01.2016

Schwedischer Staat sollte Medien nicht gängeln

Der Demokratiebericht des schwedischen Statistikamtes, der demnächst veröffentlicht wird, enthält laut Medienberichten den Vorschlag, in Schulen Medienquellenkritik zu unterrichten. Die liberale Tageszeitung Göteborgs-Posten hält davon wenig: "Es besteht das Risiko, dass der Schulunterricht in Quellenkritik banalisiert wird zu einer reinen Sortierung von Informationsquellen. ... Das wäre das genaue Gegenteil eines akademischen Ansatzes, bei dem die Argumente an und für sich untersucht werden. ... Das neu erwachte Interesse des Staats an den Medien ist beunruhigend. Eine andere Untersuchung rät, die staatlichen Beihilfen für Presseorgane an Bedingungen hinsichtlich Qualität und demokratischen Inhalten zu knüpfen. Geld soll an Inhalte gekoppelt werden. Auf lange Sicht könnten die Auswirkungen dieser Regeln verheerend sein. Staatliche Prüfungen sind keine Garantie für freie und unabhängige Medien." (04.01.2016)

Postimees - Estland | 04.01.2016

Hassrede gefährdet Sicherheit

Die liberal-konservative Tageszeitung Postimees hat angekündigt, die anonyme Kommentarfunktion auf ihren Onlineseiten zum 1. Februar abzuschaffen. Polizist Joosep Kaasik lobt diesen Schritt in der Zeitung als ein gutes Vorgehen gegen Hassrede: "Hass führt zu noch mehr Hass und früher oder später zu großen Veränderungen in der Gesellschaft oder sogar in der Weltordnung. Hass gegen bestimmte Gruppen von Menschen hat militärische Konflikte und Genozide verursacht. Deshalb versucht man in Europa schon seit Jahrzehnten, Hassrede juristisch zu regeln. In Estland ist Hassanstiftung per Verfassung verboten. ... Bis zum letzten Jahr wurde von den Bestimmungen des Strafgesetzes zum Tatbestand der Hassanstiftung allerdings kaum Gebrauch gemacht. Jetzt hat sich die Lage verändert und man hat Schwachstellen bemerkt, die man früher gar nicht erkannt hat, weil das entsprechende Gesetz so selten angewandt wurde." (04.01.2016)


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