Navigation

 
Wichtiger Hinweis:
Sie befinden sich im Archiv von euro|topics. Aktuelle Beiträge aus der europäischen Presseschau finden Sie unter www.eurotopics.net.

Home / Presseschau / Archiv / Suchergebnisse / Auswahl

Top-Thema vom Donnerstag, 18. September 2014


Schotten entscheiden über Unabhängigkeit

Die Schotten können mit dem Referendum ihre 300 Jahre alte Union mit England aufkündigen. (© picture-alliance/dpa)

Gut vier Millionen Einwohner Schottlands stimmen am heutigen Donnerstag darüber ab, ob ihr Land unabhängig von Großbritannien werden soll. Die jüngsten Umfragen lassen ein knappes Ergebnis erwarten. Einige Kommentatoren warnen, dass ein "Ja" den Schotten wie dem Rest Europas nur Unsicherheit bringen würde. Andere loben den respektvollen und demokratischen Entscheidungsprozess hinter dem Referendum.


Irish Examiner - Irland

In Krisen-Zeiten ist es alleine schwerer

Irlands Schicksal in der Finanzkrise kann den Schotten als warnendes Beispiel vor einem Alleingang dienen, meint die liberale Tageszeitung Irish Examiner: "Schottlands Nationalisten haben - so wie jede von Emotionen getriebene Bewegung - darauf beharrt, dass Schottland reich genug an Bodenschätzen ist, um ihre Ambitionen zu rechtfertigen, dass sie das britische Pfund als Währung behalten können und dass Schottland als EU-Mitglied willkommen wäre. Diese Behauptungen sind noch ungeprüft. Als freundlicher Nachbar können wir basierend auf einer äußerst bitteren Lektion, die wir gelernt haben, einen Vergleich anbieten: Die Schotten sollten überlegen, wie es ihnen in jener Nacht [am 28. November 2010] ergangen wäre, als wir völlig machtlos waren und unsere taumelnden Banken [mit Hilfsgeldern der EU] gerettet werden mussten. Würden sie lieber auf die kostspielige Güte Fremder vertrauen oder auf eine Beziehung, die sich trotz all ihrer Makel über lange Zeit bewährt hat?" (17.09.2014)


Lietuvos žinios - Litauen

Separatismus kann EU gerade gar nicht brauchen

Angesichts der angespannten geopolitischen Lage in Europa wäre eine Unabhängigkeit Schottlands nicht nur für Großbritannien gefährlich, warnt die konservative Tageszeitung Lietuvos žinios: "Seit der Zeit des US-Präsidenten Woodrow Wilson [Präsident von 1913 bis 1921] haben wir Respekt vor dem demokratischen Selbstbestimmungsrecht der Völker. Andererseits wäre die Abspaltung Schottlands die erste ernsthafte Neuzeichnung von Grenzen in Westeuropa seit der deutschen Wiedervereinigung, und dies würde zweifellos die separatistischen Stimmungen in Belgien, Spanien und anderen Regionen des Kontinents schüren. Und die immer angespanntere Atmosphäre aufgrund der Beziehungen [Europas] zu Russland ist nicht gerade eine gute Ausgangssituation für Abspaltungsprozesse." (18.09.2014)


La Vanguardia - Spanien

Briten zeigen, wie Demokratie geht

Am Tag des schottischen Referendums blicken die ebenfalls nach Unabhängigkeit strebenden Katalanen neidisch auf den von gegenseitigem Respekt geprägten Dialog zwischen London und Edinburgh, der in Spanien fehlt, meint die katalanische Tageszeitung La Vanguardia: "London reagierte auf die wachsende Zustimmung zum Ja stets mit Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft. Am Dienstag wurde diese durch ein Dokument bekräftigt, in dem die Vorsitzenden der drei großen britischen Parteien (Cameron für die Konservativen, Miliband für Labour und Clegg für die Liberalen) eine Stärkung der schottischen Autonomie und ein Mindestmaß öffentlicher Investitionen zusicherten. Völlig unabhängig vom Ausgang des Urnengangs können Schottland und Großbritannien stolz auf einen makellos demokratischen Prozess sein. Auf die schwierige Herausforderung einer möglichen Sezession hat man mit den bestmöglichen Mitteln reagiert: Respekt vor dem politischen Gegner, Dialog- und Kompromissbereitschaft." (18.09.2014)


Jornal de Negócios - Portugal

Cameron und EU stehen als Verlierer fest

Wie auch immer die Schotten abstimmen werden, der britische Premier David Cameron und eine kurzsichtige EU stehen bereits jetzt als Verlierer da, meint die wirtschaftsliberale Tageszeitung Jornal de Negócios: "All die Hysterie um das schottische Referendum belegt, dass Europa nicht nur unfähig ist, die Wirtschaftskrise zu bekämpfen und demokratische Werte aufrechtzuerhalten, sondern auch, die grassierende Welle von Nationalismen zu verstehen. ... Das politische Mittelmaß regiert. Dies wurde während der 'schottischen Kampagne' [mit der die Unionisten die Schotten in den vergangenen Tagen auf ihre Seite ziehen wollten] mehr als offensichtlich. ... Die verzweifelte Kampagne David Camerons, mit verspäteten und leeren Versprechungen, macht ihn so oder so zum Verlierer. Wenn Cameron unterliegt, wird er derjenige sein, der den Zusammenbruch Großbritanniens zugelassen hat. Wenn er gewinnt, wird er derjenige sein, der Schottland viel zu viel Macht in Großbritannien gab. Der größte Verlierer aber ist die kurzsichtige europäische Politik." (18.09.2014)


Journal 21 - Schweiz

Staatlichkeit ist in der EU eher unwichtig

Die Frage, ob Schottland unabhängig wird, hält das Onlinemagazin Journal 21 im heutigen Europa für viel unwichtiger, als zurzeit suggeriert wird: "Dank der EU leben wir, ob formell oder nicht, in einem Europa ohne Grenzen mit Bezug auf unser Geld, unsere Wirtschaft und unsere nationalen Grenzen. Dies hat der weit überwiegenden Mehrheit von Europäern klaren Gewinn in Lebensqualität gebracht: Leben, arbeiten, handeln, studieren, reisen, Ferien machen sind in Europa von zeitraubenden zwischenstaatlichen Formalitäten und Schranken befreit worden. ... Nicht wenige Schotten scheinen tatsächlich zu glauben, 'im eigenen Land zu leben' werde eine markante Steigerung ihrer Lebensqualität bedeuten. In Tat und Wahrheit werden die allermeisten von ihnen nach dem 18. September genau so weiter leben wie bisher, unabhängig vom Abstimmungsresultat. Das grenzenlose Europa ... macht Staatsgrenzen weitgehend irrelevant für das tägliche Leben Einzelner." (17.09.2014)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 18. September 2014

Weitere Inhalte