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Top-Thema vom Donnerstag, 17. Juli 2014


Niederlande mitschuldig an Srebrenica-Massaker

Die Angehörigen-Vereinigung Mütter von Srebrenica hatte die Klage eingereicht. (© picture-alliance/dpa)

Der niederländische Staat trägt eine Mitschuld am Tod von 300 bosnischen Muslimen, die im Juli 1995 von serbischen Soldaten aus Srebrenica deportiert wurden. Das entschied ein Zivilgericht am Mittwoch in Den Haag. Das Urteil ist hart, aber gerecht, meinen einige Kommentatoren. Andere sehen die Schuld bei den Vereinten Nationen, die Srebrenica als Schutzzone deklariert hatten.  


De Telegraaf - Niederlande

Sieg für die Mütter von Srebrenica

Es ist ein hartes, aber gerechtes Urteil, kommentiert die rechtsgerichtete Tageszeitung De Telegraaf, denn die niederländische UN-Einheit Dutchbat hatte laut der Rechtssprechung des Zivilgerichts die Kontrolle über die Militärbasis bei Srebrenica und damit auch die Verantwortung für die Flüchtlinge: "Die 'Mütter von Srebrenica' haben vor dem Gericht in Den Haag einen großen Sieg errungen. In dem Urteil wird festgestellt, dass die Niederlande haftbar sind für die Deportation von rund 300 Männern in dem entsetzlichen Drama, das sich vor 19 Jahren nach dem Fall der Muslim-Enklave abspielte. ... Das Gericht lässt keinen Zweifel daran, dass ein Angriff auf Dutchbat nicht zu befürchten war, denn die Militärbasis war immer verschont worden und die bosnischen Serben wollten keine Gewalt gegen UN-Soldaten einsetzen. Weil diese doch bei der Deportation der Männer halfen, die später ermordet wurden, handelten die Niederlande unrechtmäßig. Das ist ein hartes Urteil, das der Staat aber nicht ignorieren kann." (17.07.2014)


Die Welt - Deutschland

UN verantwortlich für Massaker

Nur weil ausgerechnet die niederländischen Blauhelme in Srebrenica stationiert waren, sind nicht sie allein für die Deportation von mehr als 300 Muslimen verantwortlich, meint die konservative Tageszeitung Die Welt: "Die wahre Verantwortung tragen die UN, die Srebrenica zur Schutzzone deklariert hatten - ein Hohn, wie sich in der Stunde der Bewährung herausstellte. Und die Nato, die mit deren Überwachung beauftragt war, rührte keinen Finger, um zu verhindern, dass die Soldateska des Generals [Ratko] Mladić das Schutzgebiet überrollte. Vergeblich hatte der niederländische Kommandant von ihr Luftunterstützung angefordert. Das Verhalten der Blauhelme war somit nur der unmittelbare Ausdruck des Versagens, um nicht zu sagen: des Verrats der gesamten sogenannten Völkergemeinschaft - und namentlich der Europäer, die jahrelang ein ethnisches Gemetzel inmitten des Kontinents duldeten. ... Am wenigsten Grund, sich über die kampfesunwilligen Niederländer zu erheben, haben die Deutschen. Stellten sie damals doch noch grundsätzlich keine militärischen Kräfte außerhalb des Nato-Gebiets zur Verfügung." (17.07.2014)


Gazeta Wyborcza - Polen

Vereinte Nationen tragen moralische Schuld

Dass die Niederlande von der Verantwortung für die Ermordung aller 8.000 Muslime freigesprochen wurden, ist nur rechtlich richtig, kritisiert die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza: "Sicher, die Verantwortung für den Tod tragen die Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić und General Ratko Mladić, sowie diejenigen, die ihre Befehle ausgeführt haben. Dafür müssen sie sich vor einem UN-Tribunal in Den Haag verantworten. Doch die moralische Schuld dafür, dass die niederländischen Einheiten nicht genug Waffen hatten, um die Stadt zu verteidigen, tragen die Niederlande und alle anderen UN-Mitglieder. Sie sind auch Schuld daran, dass die UN-Befehlshaber keinen Willen gezeigt haben, die Bosnier überhaupt zu verteidigen." (17.07.2014)


Il Sole 24 Ore - Italien

Halbherziges Urteil ist eine Schande

Das Gericht hat die Niederlande nicht für den Tod aller 8.000 ermordeter Muslime verantwortlich gemacht. Es ist ein halbherziges Urteil, meint die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Du bist Augenzeuge eines Massakers und rührst dich nicht? Doch damit nicht genug. Die Bilder von damals zeigen General Mladić und die niederländischen Offiziere, die sich heiter in Potočari zuprosten, während die Blauhelme hunderten von Bosniern den Zugang zur Militärbasis und damit den Schutz verwehren. Doch für das Gericht sind die Niederlande für Aktionen der Blauhelme vor dem Fall der muslimischen Enklave nicht belangbar. Das Urteil ist in Wahrheit eine Schande und die Niederlande hätten gut daran getan, zuvor und aus eigenen Stücken zu ihrer Verantwortung zu stehen." (17.07.2014)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 17. Juli 2014

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