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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 19.06.2015

 

TOP-THEMA

Papst geißelt Umweltzerstörung

Die Umwelt-Enzyklika Laudato Si umfasst 220 Seiten. (© picture-alliance/dpa)

 

Papst Franziskus hat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Enzyklika Umweltzerstörung und Klimawandel angeprangert. Niemals hat ein päpstliches Rundschreiben Umweltfragen solchen Raum gewidmet, loben Kommentatoren. Sie würdigen zudem, dass das Kirchenoberhaupt den Konsumrausch der reichen Gesellschaften kritisiert und auf deren ökologische Schuld verweist.

Večernji list - Kroatien

Enzyklika behandelt mehr als nur Umweltschutz

Die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus beschäftigt sich nicht nur mit Naturschutz, sondern spricht auch gesellschaftliche Probleme an, lobt die konservative Tageszeitung Večernji List: "Der menschliche Egoismus führt zur Verarmung der Schöpfung und zur Vernachlässigung der nächsten Generationen. Der Papst ruft zur nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung auf und rügt, dass die Bürger 'den Preis der Bankenrettung bezahlt haben'. Der Markt generiert konsumorientierte Mechanismen, doch die dürften nicht zum Vorbild der Menschheit werden. Und was bedeutet eigentlich heutzutage das Gebot 'du sollst nicht töten'? Es bedeutet, dass 20 Prozent der Weltbevölkerung nicht so viel Ressourcen verbrauchen sollten, dass dies zum Raub am Rest der Menschheit und den nachfolgenden Generationen wird. ... Es gibt keine zwei getrennten Krisen der Umwelt und der Gesellschaft, sondern nur eine komplexe, sozialökologische Krise. Diese Botschaft Franziskus' verändert die Welt oder versucht es zumindest." (19.06.2015)

Sme - Slowakei

Konkrete Vorschläge zum Umweltschutz

Auf das Risiko des Klimawandels haben schon die beiden Vorgänger von Papst Franziskus aufmerksam gemacht, erinnert die liberale Tageszeitung Sme, lobt die Enzyklika jedoch trotzdem als einzigartig: "Niemals in der Geschichte päpstlicher Dokumente ist dem Umweltschutz solcher Raum gewidmet worden. Neu ist auch die Kritik an der fehlerhaften Machtbalance [der herrschenden Politik], die wirtschaftlich-technokratische Lösungen in den Mittelpunkt stellt und das sozial-solidarische und ökologische Bewusstsein ignoriert. Der Papst äußert sich bei all dem nicht allgemein moralisierend, er wird im Gegenteil sehr konkret. Das Kapitel über den Klimawandel etwa ist detailliert und befindet sich in Übereinstimmung mit aktuellen wissenschaftlichen Forschungen. Franziskus ergänzt dies noch um einen philosophischen und theologischen Aspekt. ... Bleibt die Frage, ob die Worte des Papstes auf fruchtbaren Boden fallen werden. Im Unterschied zu Politikern hat der Papst nicht die Macht, seine Ideen durchzusetzen. Es sind am Ende nur Worte. Aber: 'Im Anfang war das Wort.'" (19.06.2015)

Kurier - Österreich

Lehrschreiben gegen die Gleichgültigkeit

Mit seiner Öko-Enzyklika zeigt Papst Franziskus, dass ihm auch globale Umweltfragen am Herzen liegen, meint die liberale Tageszeitung Kurier: "[Franziskus] fordert in einer Enzyklika die Menschheit zum Umdenken im Umgang mit der Umwelt auf. Konkret ist von Verschmutzung, Wasserknappheit und Tierquälerei die Rede. Und von der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung (die gerade von konservativen Religiösen gerne geleugnet wird, mit dem Argument, der Mensch könne das Klima gar nicht verändern). Und der Papst griff zu einem interessanten Bild: Könnte jemand von außen die Welt betrachten, würde er sich ziemlich wundern. Das sollte man sich ja öfter fragen: Was würde ein Außerirdischer, der hier Urlaub macht, über uns denken? Vielleicht ist Papst Franziskus ja auch nur ein 'Naiver'. Vielleicht ist ihm aber auch nur, im Unterschied zu anderen, noch nicht alles wurscht." (19.06.2015)

Público - Portugal

Papst appelliert nicht nur an Katholiken

Papst Franziskus ruft in seiner Umwelt-Enzyklika die Industrienationen zu einer "ökologischen Umkehr" auf und schreibt damit Geschichte, kommentiert die liberale Tageszeitung Público: "Zu einer Zeit, in der weltweit mehrere Sitzungen und Beratungen unter der Schirmherrschaft der UN zum Thema Klimapolitik anstehen, ist diese Intervention des Papstes von besonderer Bedeutung. ... Nicht nur wegen der Reichweite des Appels, der an alle adressiert ist: an Katholiken und Nicht-Katholiken. ... Die Enzyklika Laudato Si, die bereits viel Applaus bekommen und Kritik geerntet hat, präsentiert - deutlich Franziskus' Stempel tragend - einen entschlossenen Vatikan, der neue Richtungen einschlägt." (18.06.2015)

POLITIK

L'Humanité - Frankreich

Nur Gläubiger Schuld an Griechenlands Misere

Die Euro-Finanzminister haben sich am Donnerstagabend nicht auf einen Kompromiss mit Athen im Schuldenstreit geeinigt. Ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Montag soll nun eine Lösung bringen. Die Gläubiger haben Griechenland in diese Lage gebracht, wettert die kommunistische Tageszeitung L'Humanité: "Der IWF, die Europäische Zentralbank und die Eurogruppe haben die Defizite vermehrt, die Wirtschaft ausgetrocknet und ein Volk zugrunde gerichtet. Heute tanzen sie ein Ballett der Missklänge, in dem der eine das Festhalten an allen Schulden, der andere die Senkung der Renten und ein Dritter Privatisierungen fordert. Und letztlich harmonieren die Standpunkte sogar, denn alle lehnen einen Kompromiss mit Griechenland ab. ... Europa kann im Fall einer Zahlungsunfähigkeit des Landes nur verlieren. Betroffen wäre keinesfalls nur der Eurokurs, sondern auch die Fähigkeit, gemeinsam in Demokratie und Würde zu leben." (19.06.2015)

Tages-Anzeiger - Schweiz

Tsipras und Varoufakis wollen gar keinen Deal

Erneute Verhandlungen der Euro-Finanzminister im Schuldenstreit mit Griechenland sind am Donnerstag in Luxemburg ohne Ergebnis geblieben. Für den linksliberalen Tages-Anzeiger sieht es so aus, als ob Athen gar keine Einigung erreichen will: "Kompromiss scheint für die linksradikale Syriza und ihre rechtsextremen Koalitionspartner ein Fremdwort zu sein. Die Geldgeber sind den Griechen in den letzten Wochen weit entgegengekommen. Doch wollen Varoufakis und sein Premierminister Alexis Tsipras überhaupt einen Deal? Rhetorik und Auftritt der Griechen deuten darauf hin, dass zumindest einige in Athen längst den Ausgang aus Euroland suchen. Für diese Kreise geht es nur noch darum, wer am Ende den Schwarzen Peter für das Fiasko behält. Ideologen wollen stets als moralische Sieger untergehen." (19.06.2015)

Politiken - Dänemark

Europaskeptiker gefährden Dänemarks Ruf

Die rechte und EU-skeptische Dänische Volkspartei (DF) ist bei der dänischen Parlamentswahl am Donnerstag mit 18 zusätzlichen Mandaten überraschend zweitstärkste Partei hinter den Sozialdemokraten geworden. Die linksliberale Tageszeitung Politiken fürchtet um Dänemarks Ruf: "Für das internationale Ansehen Dänemarks und seine Glaubwürdigkeit ist das Wahlergebnis das denkbar schlechteste. Was das Verhältnis zur EU betrifft, haben [die liberale Partei] Venstre und die Konservativen gegenüber der DF bereits kapituliert. ... Entscheidend wird sein, dass der bürgerliche Block bei den Themen Umwelt, Klima und Energie eine breite Zusammenarbeit sucht. Denn nur so bleibt der Respekt gegenüber Dänemark erhalten. Und nur so lassen sich die Errungenschaften bewahren, die man in diesen Bereichen schon erreicht hat, und die eine Voraussetzung für künftigen Wohlstand sind. Hoffen wir, dass Venstre dafür sorgt, dass die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte jetzt nicht verloren gehen." (19.06.2015)

Hospodářské noviny - Tschechien

Dobrindts Maut muss auch für Deutsche gelten

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat am Donnerstag angekündigt, den Start der PKW-Maut in Deutschland vorerst zu verschieben. Die EU-Kommission hatte zuvor ein Vertragsverletzungsverfahren eröffnet, weil die Maut ihrer Meinung nach gegen EU-Recht verstößt. Die wirtschaftsliberale Hospodářské noviny kann sich Schadenfreude nicht verkneifen: "Die Konstruktion der deutschen Maut war von Beginn an unannehmbar. Die Maut gilt zwar für alle, aber den Deutschen sollte sie über die Kfz-Steuer zurückgezahlt werden. Damit würden nur die Ausländer zur Kasse gebeten. Eigentlich kann niemand den Deutschen den Einfall einer Millionen-Einnahme für die unterfinanzierte Infrastruktur vorwerfen. Alle Nachbarländer, inklusive Tschechien, erheben eine Maut. Aber die gilt für Autos, nicht für die Nationalität der Fahrer. ... Jetzt erleben die Deutschen einen großen Reinfall, der das Image des Landes erheblich beschädigt. ... Aber das Desaster bietet auch die Gelegenheit, sich eine neue normale und einfach konstruierte Maut für alle auszudenken - für Einheimische wie für Ausländer." (19.06.2015)

Delfi - Litauen

Schwere Nato-Waffen sollen Osteuropa beruhigen

Die Pläne der Nato, schwere Waffen in mehreren osteuropäischen Ländern zu stationieren, ist eine sinnvolle Antwort auf die ewigen Provokationen Russlands, lobt der Politologe Kęstutis Girnius auf dem Onlineportal Delfi: "Diese Entscheidung ist nicht nur eine Reaktion auf die militärische Intervention Russlands in der Ukraine, sondern auch auf aggressive Manöver seiner Kampfjets sowie auf die offene Demonstration seiner militärischen Macht. Mit der Stationierung der Waffen will man die Solidarität der Nato beweisen und die Bewohner im Baltikum und anderen Ländern beruhigen. Die präventive Stationierung von Waffen bedeutet, dass im Fall einer Krise den schnellen Eingreiftruppen der Nato in der Gefahrenzone sofort die geeigneten Waffen zur Verfügung stehen. ... Zwar würde diese Tatsache Russland nicht von einem Angriff abhalten. Allerdings hat auch während des Kalten Kriegs keiner gedacht, dass einige tausend US-Soldaten in Berlin imstande sind, einen Angriff durch ein Land des Warschauer Pakts abzuwehren." (19.06.2015)

WIRTSCHAFT

The Economist - Großbritannien

Camerons Zuwanderungslimit bremst Aufschwung

Britische Firmen dürfen in diesem Monat keine weiteren hochqualifizierten Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten einstellen, weil erstmals eine von der Regierung 2011 eingeführte Obergrenze bei der Visa-Vergabe erreicht worden ist. Die Beschränkung ist kontraproduktiv, kritisiert die wirtschaftsliberale Wochenzeitung The Economist: "Diese Aktion zielt auf genau die Zuwanderer, die Großbritannien keinesfalls fernhalten sollte. ... Camerons selbstzerstörerische Obergrenze wird das Wirtschaftswachstum behindern, die Zuwanderungskritiker aber in keiner Weise beschwichtigen. Die 20.700 Fachkräfte aus Ländern außerhalb Europas machen gerade so drei Prozent des jährlichen Zustroms an Einwanderern in Großbritannien aus. Ihre Zahl zu verkleinern, wird an der Gesamtstatistik kaum etwas ändern. Schließlich wird die Obergrenze auch keine Arbeitsplätze für Briten freimachen, weil viele Firmen, die potenziell hochqualifizierte Ausländer einstellen würden, Großbritannien schlicht den Rücken kehren werden." (18.06.2015)

Rzeczpospolita - Polen

Gazproms neues Nord-Stream-Projekt nur Show

Der russische Konzern Gazprom hat am Donnerstag mit mehreren westlichen Energiekonzernen eine Absichtserklärung für den Bau von zwei neuen Stränge der Ostsee-Pipeline Nord Stream unterschrieben. Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita hält dieses Projekt für unrealistisch: "Es ist offensichtlich, dass das Unternehmen irgendetwas unterschreiben musste, um den politischen Entscheidungsträgern im Kreml zu gefallen. ... Und die westlichen Konzerne mussten etwas unterzeichnen, was ihre russischen Geschäfte am Laufen hält und ihnen weiter die Gunst Moskaus sichert, ohne allerdings die EU-Sanktionen zu unterlaufen. Deshalb haben beide nur ein Protokoll frommer Wünsche und guter Absichten unterschrieben, die ja bekanntermaßen oft nichts bringen. Niemand hat sich verpflichtet, und alle sind zufrieden. Die Realität ist aber, dass Gazprom gar kein Geld für den Bau hat. Und Europa braucht nicht mehr, sondern weniger Gas." (19.06.2015)

GESELLSCHAFT

Il Sole 24 Ore - Italien

Europa selbst schuld an Flüchtlingsdrama

60 Millionen Menschen, so viele wie noch nie, sind weltweit auf der Flucht. Das berichtet das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in seinem aktuellen Jahresbericht. Die meisten Menschen fliehen vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Angesichts dieser Zahlen ärgert sich die liberale Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore über Europa: "Es liefert sich eine jämmerliche Schlacht an der italienisch-französischen Grenze. Der Streit über die Verteilung der syrischen Flüchtlinge sagt alles über die europäische Kurzsichtigkeit: Zwei Millionen sind in der Türkei, eine Million in Libyen, eine Million in Jordanien. Hoffen wir etwa, dass sie dort bleiben? Entweder stoppen wir die Kriege vor unserer Haustür und versuchen, eine neue internationale Ordnung zu schaffen, oder wir müssen mit weiteren Millionen von Flüchtlingen rechnen. ... Europa und der Westen müssen bereit sein, eine Lösung [im Syrien-Konflikt] zu finden. Denn unsere Nachbarn sind am Ende und haben noch mehr Angst als wir." (19.06.2015)

De Telegraaf - Niederlande

Freispruch für Skandalarzt verhöhnt Opfer

Der niederländische Arzt Ernst Jansen ist am Donnerstag im Berufungsverfahren vom Vorwurf der schweren Misshandlung überraschend freigesprochen worden. In erster Instanz war der Neurologe wegen Dutzender Fehldiagnosen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer, klagt die rechte Tageszeitung De Telegraaf: "Jahrelang haben die Opfer um Gerechtigkeit gekämpft und nun wird der Ex-Neurologe von den wichtigsten Anklagen freigesprochen. ... Das Gericht findet, dass man ihm höchstens Fahrlässigkeit beim Stellen der falschen Diagnosen vorwerfen kann. Dieses Delikt ist jedoch verjährt. ... Der Skandal um Jansen gilt als der bisher größte medizinische Strafprozess. Dass Richter in einer so folgenschweren Affäre zu derart weit auseinander liegenden Urteilen kommen, führt zu Verzweiflung. Das allein ist schon ein Grund, den hohen Rat [das höchste Gericht] anzurufen." (19.06.2015)

MEDIEN

Evrensel - Türkei

Medien-Schikane ist Türken völlig egal

Die türkische Polizei hat am Dienstag vier Journalisten am türkisch-syrischen Grenzübergang Akçakale vorübergehend festgenommen. Diese hatten zuvor dem Gouverneur der Provinz Şanlıurfa kritische Fragen zu den IS-Terrormilizen auf der anderen Seite der Grenze gestellt. Man braucht sich angesichts der Haltung der Bevölkerung nicht wundern, dass in der Türkei staatliche Übergriffe auf die Presse an der Tagesordnung sind, meint die linke Tageszeitung Evrensel: "Das Volk hat das Interesse an den Nachrichten verloren. ... Wenn die in diesem Land lebenden Menschen für demokratische Rechte und die Informationsfreiheit kämpfen, dann wird sich der Staat dem anpassen. Doch solange das Volk sich nicht einsetzt für die Rechte der Journalisten und derjenigen, die nachfragen, und solange es keine Nachrichten und von den Staatsvertretern keine wahrheitsgemäßen Informationen einfordert, wird der Teufelskreis fortbestehen." (19.06.2015)

Blog Adevărul - Rumänien

Rumänien vernachlässigt die Printmedien

Die rumänische Regierung hat vorige Woche beschlossen, Fördergelder in Höhe von 15 Millionen Euro für audiovisuelle Medien bereitzustellen, die informative und kulturelle Programme produzieren wollen. Wie gewohnt wird nur das Fernsehen unterstützt, kritisiert der Chefredakteur der Wochenzeitung Dilema Veche, Mircea Vasilescu, auf dem Blog der liberal-konservativen Tageszeitung Adevărul: "Mit einem Teil der 15 Millionen Euro könnte man Abos von Kulturzeitschriften für öffentliche Bibliotheken oder Schulen bezahlen. Aber würden wir damit Bildung und Kultur fördern? In Rumänien keineswegs, da ist das Fernsehen König. ... Fernzusehen reicht [nach Meinung der Regierung] vollkommen aus. Schließlich werden die Printmedien sowieso verschwinden. In ein paar Jahren werden wir das erste Land in Europa ohne gedruckte Presse sein, und können dann jubeln, Teil der 'digitalen Ära' zu sein." (18.06.2015)

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