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Großbritannien: Skandale im Mutterland der Pressefreiheit


Für den Chefredakteur des Guardian, Alan Rusbridger, war es "einer der bizarrsten Momente" seiner journalistischen Karriere: Am 20. Juli 2013 zerstörten zwei Mitarbeiter seiner Zeitung im Keller der Redaktion mit einer Bohrmaschine Festplatten, auf denen Geheimdokumente des NSA-Whistleblowers Edward Snowden gespeichert waren. Zwei anwesende Vertreter der britischen Regierung hatten Rusbridger dazu gedrängt und damit gedroht, andernfalls gerichtlich gegen den Guardian vorzugehen.

Medienmogul Rupert Murdoch.
(© picture-alliance/dpa)


Das linksliberale Blatt hatte die Überwachungspraktiken westlicher Geheimdienste mitaufgedeckt. Im Ausland wurde der Guardian dafür gefeiert. In Großbritannien warfen ihm die Regierung und die meisten Medien vor, Terroristen zu unterstützen. Reporter ohne Grenzen kritisierte das scharf: "Die Vermischung von Journalismus und Terrorismus ähnelt der Praxis autoritärer Regime." Dabei galt Großbritannien lange als Mutterland der Pressefreiheit. Bereits 1695 war die Zensur abgeschafft worden.

Zwei Jahre vor der Guardian-Affäre erschütterte ein Abhörskandal die britische Medienlandschaft. Mitarbeiter der Boulevardzeitung News of the World hatten jahrelang die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern gehackt. Ex-Chefredakteur Andy Coulson wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Fall machte die enge Vernetzung von Politik und Medien deutlich. Coulson war nach seiner Zeit bei News of the World Kommunikationschef des britischen Premiers David Cameron.

Der setzte in Folge des Abhörskandals eine Kommission unter der Führung von Lordrichter Brian Leveson ein. Sie ging mit der Rücksichtslosigkeit vieler Blattmacher und Reporter scharf ins Gericht und empfahl ein Pressegesetz, um deren Praktiken einzuschränken. Beschlossen wurde dieses nicht, weil viele eine Einschränkung der Pressefreiheit befürchteten. Medienmogul Rupert Murdoch stellte News of the World 2011 aufgrund des Skandals jedoch ein. Dennoch gilt er heute noch immer als mächtigster Medienunternehmer des Landes. Seinem Konzern News UK gehören unter anderem The Sun und The Times.

Letztere bescherte Murdoch einen bemerkenswerten Erfolg. Nach 13 Jahren in der Verlustzone schrieben die Times und ihre Schwesterzeitung Sunday Times 2014 erstmals wieder Gewinne. Möglich gemacht hatte das die Einführung einer Paywall bei ihren Onlineauftritten vier Jahre zuvor. Das Bezahlmodell hat sich seither bei immer mehr britischen Zeitungen durchgesetzt, denn die Printauflagen sinken stetig.

Unter Druck geraten ist auch der dominierende Sender des Landes, die öffentlich-rechtliche BBC. Ihrem World Service droht wegen Geldmangels das Aus. Der 2012 aufgedeckte Missbrauchsskandal um Ex-BBC-Star Jimmy Savile hat dem Image des Senders schwer geschadet.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 34 (2015)
Freedom House: Platz 36 (2014)

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