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Tschechien: Medienmogul stärkt sein Imperium


2013 und 2014 knallte es in der tschechischen Medienlandschaft: Mehrere der bis dahin dominierenden deutschen Verlage (Rheinische Post oder Axel Springer) verließen in der Folge der Zeitungskrise den tschechischen Markt. Hatten diese Verlage nie Einfluss auf die politischen Inhalte ihrer Blätter genommen, unterliefen ihnen beim Verkauf jedoch Fehler, die indirekt Auswirkungen auf die Pressefreiheit haben.

Vizepremier und Medienunternehmer: Andrej Babiš.
(© picture-alliance/dpa)


So veräußerte die Rheinische Post den Verlag Mafra, in dem die beiden meinungsbildenden Blätter Mladá fronta Dnes und Lidové noviny sowie die stark frequentierte Internetausgabe www.idnes.cz erscheinen, einfach an den Meistbietenden: den Chef des Mischkonzerns Agrofert a.s., Andrej Babiš. Der Milliardär ist auch politisch aktiv, seine Protest-Bewegung Ano war bei den Parlamentswahlen 2013 noch zweitstärkste Kraft, führte danach aber alle Umfragen klar an. Babiš selbst ist Vizepremier und Finanzminister und hat Chancen, nach den nächsten Wahlen Premier zu werden. Eigene Medien kommen ihm gelegen. Babiš gehören unter anderem auch der meist gehörte Hörfunksender Radio Impuls, drei tschechische TV-Musiksender und die slowakische Hospodárske noviny. Ihm werden Bestrebungen nachgesagt, einen landesweiten Fernsehsender mit hoher Einschaltquote zu kaufen.

Der Einstieg bei Mafra verlief nicht glücklich. Als die Lidové noviny eine Pressekonferenz von Babiš ignorierte, rief der empört in der Redaktion an: "Die Herren wissen offensichtlich nicht, mit wem sie es zu tun haben." Für zahlreiche profilierte Redakteure Grund genug, zu kündigen. Mehrere der "Abtrünnigen" gründeten das meinungsstarke Internetportal Echo24.cz. Babiš-Gegner, die ihn den "tschechischen Berlusconi" nennen, sagen, ihm gehe es darum, dass möglichst wenig über ihn berichtet werde. Vor allem nicht darüber, wie er zu seinem Reichtum kam, und über seine mutmaßliche Zuarbeit für die Stasi vor 1989.

Nachdem sich die deutschen Verlage zurückgezogen haben, gibt es mittlerweile nur noch tschechische Tageszeitungs-Verlage, mit Ausnahme des Verlags der Passauer Neuen Presse, der Dutzende Lokalzeitungen unter dem Gemeinschaftsnamen Deník herausgibt, die jedoch kaum politischen Einfluss haben.

Politischer Druck wurde 2013/2014 auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Česká televize beklagt. In der Folge gab es Kündigungen für öffentlich rebellierende hochrangige Mitarbeiter. Die beiden Spitzenmoderatoren Daniela Drtinová und Martin Veselovský gründeten daraufhin einen eigenen Internet-TV-Sender DVtv, der hohe Einschaltquoten hat und unter dem Dach des Zeitungsverlags Economia a.s. sendet.

In Tschechien gibt es mehrere politische Blogger, sie versammeln sich auf den Online-Portalen der Zeitungen oder beim Onlineportal Aktuálne.cz.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 13 (2015)
Freedom House: Platz 27 (2014)

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