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Spanien: Neue Akteure am linken Rand


Wie das Land selbst, stehen auch die spanischen Medien vor riesigen Herausforderungen: Seit der Wirtschaftskrise 2008 verringern sich die Werbeeinnahmen, die Auflagenzahlen der Verkaufszeitungen brechen ein, viele Redaktionen reagierten mit Massenentlassungen. Der stellvertretende Chefredakteur der größten spanischen Qualitätszeitung El País, Lluís Bassets, fasste die kritische Situation der Medien 2013 im Titel seines Buches zusammen: "El último que apague la luz. Sobre la extinción del periodismo" (Der Letzte macht das Licht aus. Das Aussterben des Journalismus). Die gedruckte Tageszeitung, die in Spanien bislang den Qualitäts- und Meinungsjournalismus bestimmte, werde "viel schneller als vermutet" verschwinden.

Spanische Zeitungen.
(© picture-alliance/dpa)


Auch inhaltlich stehen die Medien vor dem Umbruch. Der bisherige Konsens, die aktuelle Verfassung von 1978 und damit die nach der langen Militärdiktatur (1939-1975) entstandene parlamentarische Monarchie mit Madrid als politischem Zentrum nicht zu hinterfragen, bröckelt an allen Fronten. Das etablierte Zwei-Parteien-System, in dem sich konservative Volkspartei (Partido Popular, PP) und Sozialisten (PSOE) über Jahrzehnte in Regierung und Opposition abwechselten, wird durch die aus der Protestbewegung der Empörten entstandene Linkspartei Podemos herausgefordert.

Entsprechend fächert sich auch das politische Spektrum der Medien neu auf. Während die konservativen Blätter (ABC, El Mundo, La Razón) weiter die starke Stellung des Königshauses, der katholischen Kirche und des Zentralstaats propagieren und die linksliberalen Medien (El País, El Periódico de Catalunya) für einen laizistischen und dezentralen Staat plädieren, entstehen am linken Rand neue Akteure (eldiario.es, La Marea), die schonungslos mit den verkrusteten Strukturen im Staat, den Skandalen im Königshaus und der Korruption der großen Parteien abrechnen.

Die Unabhängigkeitsbestrebungen mehrerer spanischer Regionen - insbesondere Katalonien - spiegeln sich ebenfalls wider. Zu den traditionell auf Katalanisch geschriebenen Zeitungen wie El Punt Avui und den schon immer zweisprachig erscheinenden Zeitungen wie El Periódico de Catalunya gesellten sich neue katalanischsprachige Ausgaben der zuvor nur spanischsprachigen Tageszeitungen La Vanguardia (seit 2011) und El País (2014).

Die ohnehin hohe Medienkonzentration - wenige Konzerne dominieren den Großteil der großen Verlage, Fernsehkanäle und Radiosender - nahm während der Wirtschaftskrise weiter zu. 2010 fusionierten die landesweiten Fernsehsender Cuatro und Telecinco, zwei Jahre später die Sender La Sexta und Antena 3. Auch die Meinungsvielfalt innerhalb des aus Steuergeldern finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks (RTVE) ist durch Etatkürzungen bedroht. Im September 2014 trat RTVE-Direktor Leopoldo González Echenique aus Protest gegen die Sparmaßnahmen zurück.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 33 (2015)
Freedom House: Platz 52 (2014)

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