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Schweiz: Vormarsch der Gratiszeitungen


Die Nachricht vom Eroberungsfeldzug des Grafen d'Estaing auf Grenada erschien am 12. Januar 1780 als Titelgeschichte in der ersten Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung (damals noch Zürcher Zeitung). Es war der Beginn der freien Presse in der Schweiz. Als 1848 der Schweizer Bundesstaat gegründet wurde, bekam die Pressefreiheit Verfassungsrang. Bis heute nennt die Schweiz eine beeindruckende Pressefreiheit ihr Eigen, trotz zunehmender Konzentration auf dem Medienmarkt.

Die NZZ genießt einen besonderen Ruf im In- und Ausland.
(© picture-alliance/dpa)


1931 wurde die Schweizerische Rundspruchgesellschaft SRG gegründet, die inzwischen als Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) firmiert. Das SRF strahlt Programme in den vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch aus. Es hat den gesetzlichen Auftrag, das Informationsangebot in allen Regionen zu sichern, wofür es Rundfunkgebühren erhält.

Der Schweizer Rundfunk wurde in den 1980er Jahren dereguliert, privater Rundfunk wurde zugelassen. Dadurch erhielt der Konzentrationsprozess der Medien einen neuen Schub. Wenige multimediale Medienkonzerne dominieren heute den Markt.

Printmedien haben eine bedeutende Stellung in der Schweiz. Etwa 2.700 Printmedien werden hier produziert, darunter gut 450 Tageszeitungen. Von den überregionalen Tageszeitungen genießt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) einen besonderen Ruf im In- und Ausland. Prominent sind auch Le Temps (französisch) sowie die italienischsprachige Tageszeitung Corriere del Ticino.

Immer mehr regionale Tageszeitungen sind in den vergangenen Jahren von den Medienhäusern Tamedia und der NZZ-Gruppe übernommen worden. Nur wenige Tageszeitungen sind heute noch unabhängig von großen Verlagen. Für Schlagzeilen sorgte die Übernahme früherer liberal ausgerichteter Blätter wie der Basler Zeitung oder der einst renommierten Weltwoche durch rechtskonservative Verleger, die im Windschatten der populistischen Schweizer Volkspartei (SVP) gegen die EU, Ausländer und Asylsuchende agitieren.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Gratiszeitungen eine immer größere Bedeutung erlangt. Auf den Erfolg des Gratisblatts 20 Minuten haben auch etablierte Verleger reagiert, etwa die Boulevardzeitung Blick, die in den Ballungszentren umsonst ihren Blick am Abend verteilt.

Die Bedeutung von Blogs und Onlineportalen wächst, viele von ihnen gehören zu den Tageszeitungen. Doch auch unabhängige Internetformate sind im Kommen. Erfolgreiche Seiten wie Watson profilieren sich als reißerische Angebote jenseits des traditionellen Journalismus. Etablierte Medien schlagen indes zurück: so wie die NZZ, die seit 2014 alle ihre Artikel, die seit 1780 erschienen sind, im Netz verfügbar macht.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: 20 (2015)
Freedom House: 12 (2014)

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