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Polen: Internet überholt bald Fernsehen


Die Medien in Polen erholen sich langsam wieder von der Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei kommt dem Internet eine bedeutend Rolle zu. Wie groß diese ist, zeigt die Geschichte von Michał Brański.

Im November 2014 setzte das Nachrichtenmagazin Wprost den Geschäftsmann auf seiner alljährlichen Liste der einflussreichsten Polen unerwartet auf den 13. Platz. Bisher war der Manager nur in Fachkreisen bekannt. Brański hatte zum Jahresanfang mit seinem journalistischen Onlineportal O2 den direkten Konkurrenten Wirtualna Polska (WP) übernommen. Beide Dienste erreichen gemeinsam Nutzerzahlen von fast zwölf Millionen - ein einsamer Rekord im Land. Dadurch verdrängt Brański den bisherigen Platzhirschen Onet (9,6 Millionen), der dem deutsch-schweizerischen Joint-Venture Ringier Axel Springer Media AG (RAS) gehört. Der Manager avancierte zum drittwichtigsten Medienakteur - neben RAS und der Nummer eins beim Fernsehen, dem staatlichen Sender TVP.

Bedeutende Rolle des Internets.
(© picture-alliance/dpa)


Noch ist das Fernsehen zwar Marktführer bei den Werbeeinnahmen in Polen, wie aus einer Studie des internationalen Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse Coopers hervorgeht. Doch schon 2018 werden die Onlineportale es überholt haben, glauben Experten. Natürlich bleibt RAS aufgrund seiner Größe ein bestimmender Faktor. Der Dienstleister verfügt neben Onet über viele wichtige Zeitungen und Zeitschriften. Dazu gehört das Boulevardblatt Fakt, das mit 330.000 verkauften Exemplaren den Zeitungsmarkt dominiert.

Der ursprüngliche Hauptkontrahent von RAS war bislang der Verlag Agora. Sein Flaggschiff, die liberale Gazeta Wyborcza, war die erste freie Zeitung im Land nach dem Fall des Kommunismus. Gemeinsam mit der konservativen Rzeczpospolita gestaltete sie die Debatten im Land wesentlich mit. Beide Blätter mussten 2014 allerdings Rückgänge bei den Verkaufszahlen hinnehmen.

Rückschläge gab es auch bei den Zeitschriften. Der Marktführer, das katholische Wochenmagazin Gość Niedzielny (GN), stagniert bei rund 141.000. Die linksliberale Polityka büßte 2,8 Prozent auf 121.000 ein. Und Newsweek Polska landete mit einem Minus von sechs Prozent bei 119.000.

GN und andere katholische Medien blieben weitgehend von der Krise verschont, weil sie über eine feste Kundschaft verfügen und die Kirche als Geldgeber im Rücken haben. Sie halten an traditionellen Werten wie Familie und Religion fest und liefern sich dabei teilweise erbitterte Debatten mit den säkularen Medien.

Geschäftlich stehen die Zeichen insgesamt wieder auf Wachstum. Bis 2018 werde sich der Medienmarkt um 5,8 Prozent vergrößern - angetrieben vom Internet, dessen Werbeeinnahmen um 15 Prozent steigen werden, prognostizieren die Analysten von Pricewaterhouse Coopers.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: 18 (2015)
Freedom House: 49 (2014)

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