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Österreich: Dominanz des Boulevards


Die Politik als wichtiger Anzeigenkunde sowie finanzstarke Großverlage lassen nur wenig Platz für neue unabhängige Medien auf dem österreichischen Markt. Das Ergebnis ist eine Dominanz von Boulevardzeitungen, die für wenig Abwechslung auf dem Medienmarkt sorgt.

Wiener Kaffeehaus.
(© picture-alliance/dpa)


Die österreichische Medienlandschaft in ihrer heutigen Form geht zurück auf die unmittelbare Nachkriegszeit, in der Besatzungsmächte - allen voran die US-Amerikaner - gezielt Gründungen von Tageszeitungen unterstützten. In diese Zeit fällt auch der Aufstieg des Journalisten Hans Dichand, der die österreichische Medienlandschaft und Politik entscheidend prägen sollte.

Dichand übernahm 1959 die Kronen Zeitung und machte sie zur - im Verhältnis zur Einwohnerzahl gemessen - stärksten Zeitung Europas. Die Redaktion wusste stets um ihren Einfluss, das Boulevardblatt galt als wichtiger Meinungsmacher. Von ihrer Polemik profitierte manch ein Politiker, wie der Rechtspopulist Jörg Haider, dessen Anti-Zuwanderungspolitik bei der Zeitung großen Anklang fand.

Noch heute sucht die Politik die Gunst dieses Blatts sowie die der zwischenzeitlich neu gegründeten Gratiszeitungen Österreich und Heute. Der Verkauf von Anzeigen an Parteien oder Ministerien ist für viele österreichische Medienunternehmen ein zentrales wirtschaftliches Standbein.

Ermöglicht wird dies durch die vergleichsweise starke Parteienfinanzierung in Österreich. Das Ausmaß der entsprechenden Geschäfte stößt dabei mitunter an die Grenze der Legalität. Aufgrund einer Inseraten-Affäre ermittelte die Staatsanwaltschaft 2013 sogar gegen Bundeskanzler Werner Faymann wegen des Verdachts der Untreue.

Eine weitere Besonderheit der österreichischen Medienlandschaft ist die Dominanz großer Verlagshäuser, zu deren wichtigsten Eigentümern neben deutschen Medienkonzernen, wie der Funke-Gruppe (früher Waz) und Gruner&Jahr, auch die mächtige Raiffeisen Bank sowie Privatstiftungen im unmittelbaren Umfeld der katholischen Kirche zählen.

Dieses wirtschaftlich potente Umfeld macht es neuen unabhängigen Medien schwer, sich in der österreichischen Medienlandschaft zu etablieren. Jüngere Produkte, wie etwa das Monatsmagazin Datum, konnten trotz ihrer Qualität in den letzten Jahren nur einzelne Nischen besetzen.

Die Qualitätssparte dominieren der linksliberale Standard sowie die liberal-konservative Zeitung Die Presse. Vor allem Der Standard konnte in den vergangenen Jahren mit seinem Onlineauftritt punkten. Dennoch verfügt keine der beiden Zeitungen auch nur ansatzweise über den Einfluss des Boulevards.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 7 (2015)
Freedom House: Platz 30 (2014)

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