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Luxemburg: Meinungsvielfalt in Gefahr


Im massiven Sparzwang, der bereits zur Einstellung mehrerer Zeitungstitel geführt hat, sehen Beobachter des luxemburgischen Medienmarkts eine große Gefahr für die Meinungsvielfalt im eigentlich sehr pluralistischen Großherzogtum. Nicht nur die Leser werden ihren Zeitungen untreu, auch Werbeeinnahmen brechen weg und führen so zu empfindlichen Verlusten im Verlagsgeschäft. Als sei das alles nicht genug, plant die Regierung des Großherzogtums, 2015 die staatlichen Subventionen für die Presse zu kürzen oder teilweise ganz zu streichen. Presserat und Journalisten sind - wen wundert es - wenig begeistert davon.

Europas größter privater Fernseh- und Radiokonzern, die RTL Group.
(© picture-alliance/dpa)


Der Luxemburger Zeitungsmarkt wird wesentlich von zwei großen Verlagen dominiert: der den Christdemokraten nahestehende Verlag Saint-Paul und der den Sozialisten zugewandte Editpress. Beide sind erbitterte Rivalen. 2007 versuchten beide, sich im Gratiszeitungs-Geschäft zu etablieren. Saint Paul gründete Point24 und Editpress L'Essentiel. Beide Blätter erreichten 2011 zusammen eine breitere Leserschaft als die traditionsreichste Tageszeitung Luxemburger Wort. Dennoch konnten nicht beide Gratiszeitungen überleben - Point24 wurde Ende 2012 eingestellt. L'Essentiel blieb, das kostenpflichtige Luxemburger Wort gewann wieder an Relevanz.

Der Leserschwund bei den meisten Tageszeitungen hält jedoch an. Dies betrifft das von Editpress herausgegebene Tageblatt sowie das liberale Lëtzebuerger Journal und die kommunistische Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek. La Voix du Luxembourg, das französischsprachige Pendant zum Luxemburger Wort, musste 2011 schließen. Dank ihres E-Paper-Angebots verzeichneten sowohl das Luxemburger Wort als auch das französischsprachige Angebot von Editpress, Le Quotidien, ein leichtes Leserwachstum.

Bei den Zeitschriften mussten die Kulturmagazine Télécran und Revue sinkende Leserzahlen hinnehmen. Andere, wie die politischen Wochenzeitungen Le Jeudi, D'Lëtzebuerger Land, Woxx oder die das monatliche Wirtschaftsmagazin Paperjam konnten hingegen von den Verlusten der Tagespresse profitieren.

Portugiesisch- (Contacto, Correio) und englischsprachige (Delano) Zeitschriften bilden einen erwähnenswerten Teil der luxemburgischen Medienlandschaft. In Luxemburg leben mehr als 40 Prozent Ausländer, das Land ist stark von der Mehrsprachigkeit geprägt: Es gibt drei Amtssprachen: Deutsch, Französisch und Luxemburgisch. Die meisten Zeitungen erscheinen jedoch nur auf Deutsch oder Französisch, Luxemburgisch wird als Schriftsprache nur selten verwendet.

In Luxemburg sitzt Europas größter privater Fernseh- und Radiokonzern, die RTL Group. Das Unternehmen betreibt in Luxemburg unter anderen den Fernsehsender RTL Télé Lëtzebuerg.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter Ohne Grenzen: Platz 19 (2015)
Freedom House: Platz 6 (2014)


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