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Litauen: Onlinemedien als Krisenprofiteure


Noch vor der Erklärung der Unabhängigkeit 1990 wurde in Litauen die Zensur aufgehoben, wodurch den Medien eine große Rolle im Kampf für staatliche Souveränität zukam. Der Einfluss der Medien in den 1990er Jahren war groß, die Bürger sehnten sich nach einer freien Presse. Auflagen von 100.000 Exemplaren waren keine Seltenheit. Davon können die Medienhäuser in Litauen heute nur noch träumen.

2013 hörte die Staatsanwaltschaft die Telefone von 17 Journalisten ab.
(© picture-alliance/dpa)


Auf dem schrumpfenden Printmarkt blieben nach der Wirtschaftskrise nur vier überregionale Tageszeitungen mit Redaktionssitz in Vilnius übrig: Lietuvos rytas, Lietuvos žinios, Vakaro žinios und Verslo žinios. Die wichtigsten Regionalzeitungen sind Kauno Diena aus der zweitgrößten Stadt Kaunas, sowie Klaipėda und Vakarų ekspresas aus der Hafenstadt Klaipėda. Die Zeitungen Vakaro žinios und Klaipėda erscheinen auch in einer russischsprachigen Version.

Sowohl die Medienkrise als auch politische Entscheidungen erschütterten die litauische Presselandschaft. Der größte Schlag gegen die Printmedien war 2009 die Erhöhung der Mehrwertsteuer von fünf auf 21 Prozent. Im Jahr 2013 wurde sie dann zwar wieder auf neun Prozent gesenkt, das konnte aber viele Zeitungen nicht mehr retten. Seit 2014 verzichten alle überregionalen Tageszeitungen aus Spargründen auf die Montagsausgabe. Die Auflagen vieler Zeitungen sind in den vergangenen zehn Jahren auf bis zu ein Drittel geschrumpft.

Die Onlinemedien profitierten allerdings von der Krise im Printgeschäft. Das größte Portal Delfi, das auch eine russische und polnische Version hat, wurde zum erfolgreichsten Medium. 15min und Lrytas sind ebenfalls stark besuchte Onlineportale. Die traditionellen Medien versuchen durch die Stärkung ihrer Onlineversionen an diesen Erfolg anzuschließen, doch Paid-Content-Modelle und eine Blog-Kultur setzen sich bislang nur schwer durch.

Die Wirtschaftskrise führte zu mehreren Eigentümerwechseln. Der norwegische Konzern Schibsted verließ den litauischen Markt und verkaufte das Portal 15min an den estnischen Konzern Eesti Media. Der litauische Konzern Achema verkaufte den Fernsehsender BTV an den anderen branchenübergreifenden litauischen Konzern MG Baltic. Andere dominante ausländische Konzerne sind die schwedische Modern Times Group (TV3 Fernsehprogramme), die schwedische Bonnier Business Press AB (Verslo žinios) und die estnische Ekspress Group (Delfi). Unter den litauischen Medienkonzernen sind die Mediengruppen Lietuvos rytas und Respublikos leidiniai am stärksten. Den Medien der litauischen Eigentümer wird häufig die Einflussnahme durch Wirtschaft und Politik vorgeworfen.

Es gibt immer wieder Versuche seitens der Regierung, die Medien stärker zu kontrollieren, etwa durch die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes. Im Jahr 2013 hörte die Staatsanwaltschaft die Telefone von 17 Journalisten der Nachrichtenagentur BNS ab. Dies wurde später vor Gericht als gesetzeswidrig beurteilt.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 31 (2015)
Freedom House: Platz 39 (2014)

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