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Kroatien: Parteien nehmen Einfluss auf Journalisten


Seit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 ist die Medienlandschaft des jungen Staats bis heute vom jugoslawischen Zerfallskrieg und dem Übergang von einer sozialistischen hin zur demokratischen Gesellschaft geprägt. Auch nach der Privatisierung der Medien in den 1990er Jahren standen vor allem während des Kriegs die meisten großen Printmedien und der öffentlich-rechtliche Rundfunksender HRT unter Einfluss, Manipulation und Kontrolle staatlicher Institutionen.

Fernsehstudio von HRT.
(Flickr, JasonParis, Lizenz: CC BY 2.0)


Mit der politischen Stabilisierung und Demokratisierung des Landes Anfang 2000 kauften sich immer mehr ausländische Medienhäuser ein, die heute den kroatischen Medienmarkt dominieren. RTL und Nova TV (CME Group) bestimmen gemeinsam mit dem HRT den nationalen Fernsehmarkt. Die auflagenstärksten Tageszeitungen werden von der Europapress Holding EPH (Jutarnji List, Slobodna Dalmacija, Globus) sowie von der österreichischen Styria Media Group AG (24 Sata, Večernji List) herausgegeben.

Die EPH durchlebte 2014 ein besonders stürmisches Jahr. Die deutsche Funke-Gruppe (früher Waz) und Medienmogul Ninoslav Pavić, die sich den Konzern bisher zur Hälfte teilten, verloren ihre Anteile an die Schuldnerbank Hypo Alpe Adria und halten nun jeweils nur noch 5 Prozent. 90 Prozent erwarb der Rechtsanwalt Marjan Hanžeković. Experten befürchten, dass er den Verlag von seinem liberalen Kurs abbringen und weiter nach Rechts führen wird: eine Entwicklung, die den ohnehin nicht sehr vielfältigen Medienmarkt Kroatiens noch farbloser machen würde.

Die Medienkonzentration führt in dem kleinen Staat zu einer für die Pressefreiheit gefährlichen Nähe zwischen den Medien und dem Staatsapparat sowie den großen Parteien HDZ und SDP. Immer wieder berichten Journalisten über die Einflussnahme ihrer Medienhäuser und von Staats- und Parteifunktionären auf ihre redaktionelle Arbeit. Mit dem Beginn der Wirtschaftskrise 2008 hat sich die Situation der Journalisten noch verschlechtert. Aufgrund von Sparmaßnahmen wurden Zeitungen eingestellt, Redaktionen zusammengelegt und Gehälter gekürzt. Mehr als 2000 Journalisten haben in den vergangenen fünf Jahren ihren Arbeitsplatz verloren.

Der Onlinemarkt wird ebenso von den großen Medienhäusern dominiert. Dort versuchen sie ihre Verluste im Printgeschäft zumindest teilweise zu kompensieren. Die privaten Fernsehanstalten bieten auf ihren Internet-Portalen allgemeine Informationen frei an, führen aber verstärkt Pay-Modelle für den Online-Abruf ihres TV-Angebots ein. Die gleiche Geschäftspolitik verfolgen auch die Verlagshäuser, deren Printausgaben online nur durch Bezahl-Abonnements abrufbar sind. Aus wirtschaftlicher Not und journalistischem Engagement nutzen aber auch immer mehr renommierte Journalisten das Internet, um sich mit unabhängigen Portalen wie autograf.hr oder forum.tm als Alternative zu den Mainstream-Medien zu etablieren.

Ranglisten der Pressefreiheit (Stand 2014):

Reporter ohne Grenzen: Platz 58 (2015)
Freedom House: Platz 83 (2014)

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