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Italien: Fernsehen dominiert die öffentliche Meinung


Die italienische Medienlandschaft ist geprägt von einer großen Einflussnahme durch Politik und Wirtschaft. Schon in den 1980er Jahren baute Ex-Premier Silvio Berlusconi sein Medienreich auf. Die Monopolstellung des Berlusconi-Imperiums bedroht den Pluralismus bis heute.

Silvio Berlusconi.
(© picture-alliance/dpa)


2010 rechnete die internationale NGO Freedom House Italien erstmals zu den Ländern, in denen die Presse nicht mehr "frei", sondern nur noch "bedingt frei" ist. Das Institut bemängelte zum einen die Monopolstellung weniger Medienunternehmen und zum anderen die Tendenz, die Pressefreiheit politisch einzuschränken.

Besonders in den vier Amtszeiten von Berlusconi als Premier wurden Veränderungen der Gesetze zu Lasten der Pressefreiheit eingeleitet. Eine Folge war 2012 die Verschärfung des Diffamierungsgesetzes. Weiterhin ist ein Gesetz geplant, nach dem Journalisten, die abgehörte Gespräche veröffentlichen, mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden können. Der Enthüllungsskandal um den Vatikan 2011, Vati-Leaks, hat die Debatte um Veröffentlichung geheimer Dokumente belebt.

Die Übernahme von Medienunternehmen ist ein Dauerthema in Italien. So tobt seit Jahren der Machtkampf um Italiens größte Tageszeitung, den liberal-konservativen Corriere della Sera. Italienische Großunternehmen wie der Autobauer Fiat und der Modekonzern Tod´s besitzen Anteile des RCS-Verlags und streiten sich um das Objekt der Begierde. Der reine Verleger als Zeitungsinhaber ist eine Seltenheit geworden.

Die Auflagen der italienischen Zeitungen sanken im Laufe der Medienkrise stetig. In den vergangenen zehn Jahren gingen sie um rund ein Drittel zurück. Wie auch in anderen großen Zeitungslandschaften setzt der Anzeigenrückgang den Verlagen zu. Die meisten Zeitungen versuchen mit Online-Bezahlmodellen, einerseits die Verluste aufzufangen und zugleich ihr qualitatives Niveau zu halten. Sie ziehen eine klare Trennlinie zwischen frei zugänglichen Webseiten, in denen vor allem Meldungen erscheinen, und solchen mit Kommentaren, die allesamt kostenpflichtig sind.

Dabei kommt ihnen zugute, dass die Kommentarkultur in Italien eine große Tradition besitzt. In den Medien wird viel und ausgiebig kommentiert, je blumiger desto besser. Das Internet hat diese Tradition neu aufleben lassen, es gibt Blogs wie Sand am Meer. Auch der Komiker und Schauspieler Beppe Grillo betätigte sich vor seiner politischen Karriere als Blogger und sorgte damit für Furore. Heute ist sein Movimento Cinque Stelle im Parlament vertreten und sein Blog ist zu einer Art Parteiorgan geworden.

Die bevorzugte Bühne der Kommentatoren ist aber auch heute noch immer das Fernsehen, das die Medienlandschaft komplett beherrscht. Neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Berlusconi Mediaset hat sich als dritter Spieler der private Sender La 7 profiliert. Seit 2013 ist er im Besitz des Verlegers Urbano Cairo.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 73 (2015)
Freedom House: Platz 64 (2014)

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