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Dänemark: Verrohung journalistischer Kultur


Dänische Journalisten greifen in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu harten Bandagen. So bestach das Klatschblatt Se og Hør 2014 Personal von Kreditkartenabteilungen oder Krankenhäusern, um an Informationen über Prominente zu kommen. Und der Parlamentswahlkampf 2011 wurde mit Details über das Liebesleben der sozialdemokratischen Kandidatin auf schmutzige Art und Weise geführt.

Redakteur beim Magazin 'Se og Hoer'.
© picture-alliance/dpa


Der Grund für diese regelrechte Verrohung journalistischer Kultur liegt im härter werdenden Verteilungskampf dänischer Medien um Geld und Leser. Durch eine Änderung der Mediengesetze, die von allen parlamentarischen Parteien getragen wurde, sind neuerdings auch Internetmedien zuschussberechtigt. Aufgrund der Vielzahl der elektronischen Medien fällt deshalb nun für alle weniger ab.

Und auch die Medienkrise belastet die dänischen Redaktionen. Die großen landesweiten Medien verzeichnen nach wie vor Rückgänge bei Auflage und Anzeigeneinnahmen, während die Printauflagen von Regional- oder Lokalzeitungen wieder leicht ansteigen. 2013 lasen 2,2 von 5,6 Millionen Dänen eine gedruckte Tageszeitung. Ein Rückgang um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dafür nutzen 2,5 Millionen Leser die Onlineportale der Zeitungen, ein Zuwachs von neun Prozent. Die Verlage versuchen deshalb, über Bezahlschranken Geld zu verdienen - noch mit mäßigem Erfolg.

Einige Blätter konnten nur noch durch Verkauf gerettet werden. Der belgische Medienkonzern De Persgroep übernahm etwa im Juni 2014 das Unternehmen Berlingske Media von der Mediengruppe Mecom. Dies wurde positiv bewertet, weil der Konzern bereits Erfahrungen darin hat, Print und digitale Medien zu verzahnen. Eine ernstzunehmende politische Blog-Landschaft gibt es in Dänemark nicht, auf der Liste der viel gelesenen Blogs finden sich vor allem Mode- und Gourmet-Seiten. Twitter wird von Journalisten und Politikern genutzt, allerdings ohne eine viel zitierte Quelle zu sein.

Der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk versorgt über Danmarks Radio Hörer und Zuschauer. Der zweite TV-Kanal des Landes, TV2, ist entgegen den Plänen nicht privatisiert worden, sondern wurde zu einem Bezahlsender. Im Rundfunkbereich etablierten sich neben den öffentlich-rechtlichen rund 15 private Radiosender. Zuletzt kam Radio24syv hinzu, das vom Medienverlag Berlingske Media betrieben wird.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 3 (2015)
Freedom House: Platz 6 (2014)

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