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Deutschland: Großer Medienmarkt im Umbruch


Im Jahr 2014 sahen sich deutsche Medien mit einer tiefen Vertrauenskrise konfrontiert. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts überschwemmte eine Flut von Online-Kommentaren die Nachrichtenportale, in denen deutschen Journalisten mal die Verbreitung pro-westlicher, mal pro-russischer Propaganda vorgeworfen wurde. Laut einer Infratest-Dimap-Umfrage hatten Ende des Jahres 63 Prozent der Deutschen wenig oder gar kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung deutscher Medien.

Die Pegida-Bewegung nannte deutsche Medien "Lügenpresse".
(© picture-alliance/dpa)


Pro Artikel wurden teilweise mehrere hundert Leserkommentare geschrieben. Zeigte dies einerseits eine wachsende Kluft zwischen Medienmachern und –konsumenten, kann es andererseits auch als Auseinandersetzung des Journalismus mit den Möglichkeiten und Beschränkungen des Internets interpretiert werden. Die Leser sind heute keine unbekannte Masse mehr, sie sind sichtbar und äußern ihre Kritik deutlich.

Mehr als zehn Jahre nach der ersten Medienkrise 2001 suchen Verlage und Journalisten immer noch den richtigen Umgang mit den Herausforderungen der vernetzen Welt. Das betrifft nicht nur den Umgang mit Leserkommentaren sondern auch Finanzierungsmöglichkeiten für journalistische Inhalte angesichts einer weit verbreiteten Kostenlos-Mentalität im Internet. Ob es wieder mehr Bezahlschranken geben sollte und wie stark Print und Online verzahnt sein sollten, wird noch immer diskutiert.

Inzwischen aber sind vor allem die Journalisten selbst kreativer geworden: Sie gründen Crowdfunding-Plattformen, vernetzen sich stärker untereinander und recherchieren über Mediengrenzen hinweg gemeinsam. Die Verlage versuchen durch weitere Konzentration wegbrechende Einnahmen zu kompensieren, sodass es in manchen Regionen im Printmarkt keine Konkurrenz mehr gibt. Stellen werden gestrichen, Redaktionen zusammengelegt, Mehrfachverwertungen in verschiedenen Medien angestrebt.

Auch inhaltlich beeinflusst das Internet deutsche Redaktionen: Neue Erzählformen werden ausprobiert, Nutzer und Leser über vielfältige Beteiligungsformen in die Produktion einbezogen und neue Publikationswege gesucht. Zugleich sehen sich die Medienschaffenden einer wachsenden Gegenöffentlichkeit im Internet gegenüber, die eigene Portale und Blogs entwickelt und darin die Arbeit der etablierten Medien kritisiert, etwa während der Ukraine-Krise 2014.

In Deutschland gibt es mehr als 300 überregionale und regionale Tageszeitungen sowie 20 Wochenzeitungen, die meist in privater Hand sind. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zählte 2010 in ihrer Marktstudie zum Medienmarkt Deutschland die folgenden Verlagsgruppen zu den zehn wichtigsten: Gruner + Jahr, Axel Springer AG, Verlag Georg von Holtzbrinck, Bauer Media Group, Hubert Burda Media Group, Medien Union, Waz Mediengruppe (heute Funke Mediengruppe), M. DuMont Schauberg, Madsack Mediengruppe und Ippen.

Besonders intensiv geht der Axel Springer Verlag den Weg ins digitale Zeitalter: Dazu gehören nach Unternehmensangaben die Vernetzung mit digitalen Start-ups, die Transformation der etablierten Medienmarken, eigene Neuentwicklungen im Online-Bereich und Akquisitionen von Web-Unternehmen.

Der Rundfunk ist sowohl öffentlich-rechtlich als auch privatwirtschaftlich organisiert, wobei die gebührenfinanzierten und durch Rundfunkräte kontrollierten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten die Grundversorgung der Bevölkerung mit Information und Unterhaltung zu leisten haben.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 12 (2015)
Freedom House: Platz 18 (2014)

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