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Bulgarien: Unternehmer instrumentalisieren Medien


Mit der demokratischen Wende von 1989 ordnete sich die bulgarische Medienlandschaft neu. Die starke Nachfrage nach unabhängigem Journalismus nach jahrzehntelanger Unterdrückung der Medienfreiheit durch die Kommunisten (1944-1989) begünstigte die Entstehung zahlreicher Printmedien. Während die ersten unabhängigen Tageszeitungen 24 Chasa und Trud immer noch als Leitmedien gelten, fristet die Tageszeitung Duma als Nachfolger der ehemals kommunistischen Presse heute ein Schattendasein. Die Wochenzeitung Kapital und die Tageszeitung Kapital Daily gelten als Qualitätsmedien. Sie richten sich an eine gebildete sowie politisch und wirtschaftlich interessierte Leserschaft.

Mit dem Siegeszug des Internets entstanden rund um die Jahrtausendwende zahlreiche Online- und Nachrichtenportale wie News.bg und Dnevnik.bg. Blogs hingegen finden kaum Beachtung.

Proteste gegen die Wahl von Deljan Peewski.
(© picture-alliance/dpa)


In den internationalen Ranglisten der Pressefreiheit liegt Bulgarien weit unter dem EU-Durchschnitt. Grund dafür sind Überfälle auf Journalisten und die starke Abhängigkeit der Medien von politischen und wirtschaftlichen Kreisen. Wegen der drastisch gesunkenen Auflagen und der sinkenden Werbeeinnahmen können sich die meisten Zeitungen kaum noch selbst finanzieren. Sie sind auf Geldgeber angewiesen. Einige wenige Unternehmer besitzen heute einen Großteil der Medien in Bulgarien. Ihnen wird vorgeworfen, sie für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Dazu gehören der Unternehmer und Herausgeber von Kapital und Dnevnik Ivo Prokopiev und der Abgeordnete und Medienmagnat Deljan Peewski, dessen New Bulgarian Media Group enge Verbindungen mit den jeweils Machthabenden in Bulgarien pflegt. Die Ernennung Peewskis zum Geheimdienstchef im Juni 2013 löste anhaltende Massenproteste in Bulgarien aus.

Die wichtigsten Fernsehsender Bulgariens sind in ausländischer Hand. Der Privatsender bTV gehört zu Time Warner. Nova Televizija ist Teil des schwedischen Medienkonzerns Modern Times Group. Durch die Einführung moderner Unterhaltungsformate konnten die überregionalen Privatsender das jahrelange Monopol des staatlichen Fernsehens rasch zurückdrängen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehkanäle BNT1, BNT2 und BNT HD haben jedoch weiterhin einen starken Einfluss auf die Meinungsbildung. Der bulgarische nationale Hörfunk und das private Darik Radio sind die einzigen überregionalen Sender mit überwiegendem Wortanteil.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 106 (2015)
Freedom House: Platz 78 (2014)


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