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Belgien: Extreme Medienkonzentration


Die Teilung Belgiens ist längst eine Tatsache - zumindest bei den Medien. Sowohl das französisch-sprachige Wallonien als auch das niederländisch-sprachige Flandern und die kleine deutschsprachige Region haben eigene Medien und Strukturen. Besorgniserregend ist nach Ansicht von Experten, dass relativ wenig über die jeweils anderen Landesteile berichtet wird.

Kiosk in Brüssel.
(© picture-alliance/dpa)


Eine weitere Sorge ist die Machtkonzentration auf dem Medienmarkt. Als 2013 die flämischen Verlage Corelio (De Standaard, Het Nieuwsblad) und Concentra (Gazet van Antwerpen) zu Het Mediahuis fusionierten, ging eine Schockwelle durch das Land. Alle flämischen Zeitungen sind nun faktisch in der Hand zweier Konzerne: Mediahuis und De Persgroep (Het Laatste Nieuws, De Morgen). Beide Verlage halten darüber hinaus große Zeitungen in den Niederlanden.

Die belgische Kartellbehörde warnte vor einem Verlust der Meinungsvielfalt. Auf der anderen Seite können selbstständige Zeitungen auf dem kleinen Markt mit großer Konkurrenz kaum überleben. Nun ist zumindest gesichert, dass sie in belgischer Hand bleiben. Die Großverlage sanierten und reorganisierten sich. Dabei wurden hunderte Arbeitsplätze gestrichen. Zugleich investierten sie vor allem in Online-Angebote. Dank der Online-Abos ging die Auflage der flämischen Zeitungen 2013 nur geringfügig zurück.

Eine ähnliche Entwicklung vollzog sich auch in Wallonien. Als das genossenschaftliche Telekommunikationsunternehmen Tecteogroup 2013 die regionalen Zeitungen von L´Avenir übernahm, warnten Kritiker vor einem neuen Monopol und politischer Einflussnahme durch die an Tecteo beteiligten Kommunen.

Tecteo plant die Zusammenarbeit mit der Verlagsgruppe IPM (La Libre Belgique, La Dernière Heure) und könnte so zu einem starken Konkurrenten zum Marktführer Rossel (Le Soir) werden.

Die Zeitungslandschaft im französischsprachigen Belgien ist seit je her weniger vielfältig als die in Flandern, die Krise setzte ihr noch weiter zu. In Wallonien wird traditionell mehr ferngesehen. Insgesamt ist die Gesamtauflage der belgischen Zeitungen heute nur noch halb so hoch wie vor 50 Jahren.

Die Zeitungen haben sich weitgehend von ideologischer Bindung befreit. Zuletzt lösten sich 1999 die flämische Qualitätszeitung De Standaard und ihr wallonisches Gegenstück La Libre Belgique von der katholischen Kirche und christdemokratischen Partei und verfolgen nun einen unabhängigen liberalen Kurs.

Belgien ist mit einer fast hundertprozentigen Abdeckung eines der meistverkabelten Länder der Welt. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben daher starke Konkurrenz von privaten Anbietern aber auch von Sendern der Nachbarländer. So ist die RTL-Gruppe in Wallonien Marktführer vor der öffentlich-rechtlichen RTBF. In Flandern hält dagegen die öffentlich-rechtliche VRT ihre Spitzenposition gegenüber der kommerziellen Konkurrenz.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter Ohne Grenzen: Platz 15 (2015)
Freedom House: Platz 4 (2014)


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